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guckloch-Kino "Gundermann"

Gundermann
Mo, 7. Januar 2019
20:00 Uhr
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Im Voraus läuft der Kurzfilm "Die Grenze"
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Beschreibung
Eine hagere Gestalt in schlabbernden Jeans, ein zu großer Strickpullover, die strähnigen Haare nach hinten zum Pferdeschwanz zusammengezurrt, auf der Nase eine Hornbrille mit riesigen Gläsern: So sitzt Gerhard Gundermann vor der Kamera und singt eines seiner Lieder direkt in die Linse. Alexander Scheer spielt im Film diesen Gundermann, der beides war – Künstler und Arbeiter. Baggerführer im Braunkohlentagebau bei Hoyerswerda und eben auch Liedermacher in den Kulturhäusern der DDR. Manchmal ging er vom Konzertende direkt zur nächsten Schicht, und dieser Raubbau am Körper mag dazu beigetragen haben, dass Gerhard Gundermann früh gestorben ist. Im Alter von nur 43 Jahren 1998 an einer Gehirnblutung. Aber Gundermann – der im Osten eine Größe war, in Westdeutschland hingegen völlig unbekannt – hat dieses Doppelleben bewusst gewählt, um seine Unabhängigkeit als Künstler zu wahren, soweit das möglich war.
 
Gundermann von Andreas Dresen springt zwischen zwei Zeitebenen, Mitte der 1970er Jahre in der DDR und zwanzig Jahre später in der Nachwendezeit. Es ist ein sehr berührender Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichte. Einerseits ein Liebes- und Musikfilm – Alexander Scheer hat 18 Lieder von Gerhard Gundermann noch einmal neu eingespielt – und gleichzeitig aber ein Drama über die Zerrissenheit eines Menschen, der eigentlich ein Weltverbesserer ist und sich dann doch in Schuld verstrickt und damit umgehen muss.
 
Gerhard Gundermann war kein Staatsfeind. »Für viele Linke im Osten stand ja das Problem«, so Regisseur Andreas Dresen in einem Gespräch in der Zeitschrift „epd-film“, »dass man eigentlich für die DDR war, nur nicht in der vorhandenen Form. Man wollte sie anders, besser, demokratischer, sie in ihrer kleinbürgerlichen Piefigkeit quasi links überholen.« Auch Gerhard Gundermann nahm kein Blatt vor den Mund, äußerte offen Kritik, machte Verbesserungsvorschläge im Betrieb. Was ihm aber als mangelnde Linientreue ausgelegt wurde. Er sollte aus der SED ausgeschlossen und als Musiker mit einem Auftrittsverbot belegt werden.
 
Bis dahin ähnelt Gundermanns Biografie der des großen Schauspielers Manfred Krug, der ebenfalls den Sozialismus in der DDR nie in Frage gestellt hat, aber die Mängel im System erkannte und gehofft hatte, durch sachliche Kritik zur Beseitigung derselben beitragen zu können. Um dann auch an den Parteifunktionären zu scheitern. Nachdem Krug gemeinsam mit anderen Intellektuellen eine Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet hatte, wurde er praktisch mit Arbeitsverbot in der DDR belegt.
 
Doch während Krug daraufhin einen Ausreiseantrag stellte und 1977 nach Westdeutschland emigrierte, blieb Gundermann in der DDR und ließ sich von der Staatssicherheit als Informeller Mitarbeiter anwerben. Bespitzelte also Freunde und Bekannte. In einer der Szenen des Films sucht er nach der Wende einen Musikerkollegen auf, um ein Geständnis abzulegen. Worauf der Kollege erst stutzt, dann grinst, Schnaps einschenkt und antwortet, das fände er jetzt gut, dass er diesen Schritt macht. Er selbst sei auch Stasi-Spitzel gewesen und auf Gundermann angesetzt.
 
Regisseur Andreas Dresen (Nachtgestalten, Halbe Treppe, Whisky mit Wodka, Halt auf freier Strecke) ist selbst in der DDR aufgewachsen und hat bereits in den 1990er Jahren drei Filme mit ostdeutschem Bezug gemacht (Stilles Land, Das andere Leben des Herrn Kreins, Raus aus der Haut). Die wollte aber keiner sehen, sagte Dresen in „epd-film“. Er wolle die Deutungshoheit über die eigene Geschichte haben und werde ungeduldig mit Leuten, die sie beanspruchen. Gundermann sei auch ein Film über den eigenen Opportunismus. »Nur weil man in einem anderen System gelebt hat, ist es noch lange nicht ratsam, darüber die Nase zu rümpfen und zu behaupten, man hätte das anders und besser gemacht.«
 
Im Film outet sich Gerhard Gundermann, nachdem er zuvor vergeblich versucht hat, bei der Gauck-Behörde seine Täterakte einzusehen, bei einem Open-Air-Konzert als Stasi-Spitzel. Und dann sagt er aber auch: »Ich werde nicht um Verzeihung bitten. Aber mir selbst kann ich nicht verzeihen.«
 
Zusammengestellt von Klaus Peter Karger
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Veranstaltungsort
CineBaar Kino Donaueschingen
Friedhofstraße
Altes Kasernenkino
Gebäude 008
78166 Donaueschingen
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Kosten
Eintritt: 5,00 €/3,50 € ermäßigt/4,00 € Mitglieder
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Hinweise
Weitere Informationen sind auch unter www.guckloch-kino.de erhältlich.

  • Diese Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt
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Veranstalter
guckloch Kino e.V. in Kooperation mit der Stadt Donaueschingen
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