Kunstprojekt an der Donauquelle
Mihály Kolodko (*1978 Uzhhorod, Ukraine): Danube Sharks - Beton, Müll aus der Donau, Stahl, Holzsockel.
Donauhaie kommen nach Donaueschingen! »English version below«
Ein besonderes Kunstprojekt verbindet in diesem Sommer die Partnerstädte Donaueschingen und Vác entlang der Donau. Der ungarische Künstler Mihály Kolodko zeigt seine außergewöhnlichen „Donauhaie“ erstmals auch in Donaueschingen – am Ursprung der Donau.
Die Skulpturen sind aus Beton gegossen und enthalten Müll, den der Künstler entlang der Donau gesammelt hat. Mit den Haien möchte Kolodko auf die Verschmutzung des Flusses aufmerksam machen. Der Hai, der eigentlich nicht in die Donau gehört, wird dabei zum Symbol für all das, was ebenfalls nicht in den Fluss gehört.
Dass die Haie nun an der Donauquelle in Donaueschingen zu sehen sind, hat eine besondere Bedeutung: Hier beginnt die Donau ihre Reise durch zehn Länder bis zum Schwarzen Meer – und verbindet dabei auch Donaueschingen mit seiner ungarischen Partnerstadt Vác.
Die Ausstellung schlägt damit eine künstlerische Brücke entlang des Flusses und erinnert gleichzeitig daran, wie wichtig der Schutz dieses gemeinsamen europäischen Naturraums ist. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die ungewöhnlichen Skulpturen zu entdecken und über die Reise der Donau – und den verantwortungsvollen Umgang mit ihr – nachzudenken.
Über Mihály Kolodko und seine Donauhaie
Der Bildhauer Mihály Kolodko hat eine unverwechselbare künstlerische Handschrift entwickelt: Bekannt wurde er durch seine kleinen, oft augenzwinkernden Bronzeskulpturen, die sich subtil und beinahe überraschend in den öffentlichen Raum einfügen. Im bewussten Gegensatz zur monumentalen Bildhauerei schafft Kolodko Werke, die intime Begegnungen ermöglichen und den Betrachter zum genauen Hinsehen einladen.
Der 1978 in Uschhorod geborene Künstler absolvierte zunächst eine klassische Ausbildung in den bildenden Künsten. Im Laufe seiner Karriere wandte er sich jedoch zunehmend von großformatigen Formen ab und entwickelte eine eigene Bildsprache, die Humor, Geschichte, Literatur und Popkultur miteinander verbindet. Seine Arbeiten treten auf spielerische und zugleich tiefgründige Weise mit dem urbanen Raum und seinen Bewohnern in Dialog.
Seit 2016 lebt Kolodko mit seiner Familie in der ungarischen Donaustadt Vác. Die besondere Lage am Fluss sowie die unmittelbare Verbindung von Natur, Stadt und Industrie eröffneten ihm neue künstlerische Perspektiven. Dort entstand auch sein aktuelles Projekt „Donauhai“, das einen markanten Wendepunkt in seinem Schaffen darstellt.
Ausgangspunkt der Installation ist Müll, der aus der Donau geborgen wurde. Der Künstler transformiert diese Hinterlassenschaften menschlichen Handelns in ein kraftvolles Symbol: einen Hai. Das Raubtier erscheint als fremdes und bedrohliches Element im natürlichen Lebensraum des Flusses – ebenso wie die Verschmutzung selbst, die im Wasser treibt oder sich an den Ufern sammelt.
Das Werk ist eng mit Vác verbunden, wo Kolodko lebt und arbeitet. Die industrielle Prägung der Stadt – unter anderem durch eine der größten Zementfabriken Ungarns – verstärkt die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Natur und menschlichem Eingriff. Daraus entstand die Idee, Umweltverschmutzung nicht nur zu beseitigen, sondern sie durch Kunst sichtbar zu machen und gesellschaftlich zu reflektieren.
Die nächste Präsentation des „Donauhais“ findet an einem besonders symbolträchtigen Ort statt: in der Stadt, in der die Donau entspringt. Damit erweitert sich die Bedeutung der Installation über den lokalen Kontext hinaus auf den gesamteuropäischen Raum, den die Donau verbindet. Der Fluss steht nicht nur für kulturellen Austausch und geografische Verbindung zwischen Ländern, sondern macht zugleich deutlich, dass Umweltprobleme keine Grenzen kennen.
Mit dem „Donauhai“ zeigt Mihály Kolodko eine neue Facette seines künstlerischen Schaffens. Neben der feinen Ironie seiner früheren Arbeiten tritt nun eine direktere, eindringlichere und gesellschaftlich engagierte Ausdrucksform hervor. Die Installation ist nicht nur ein visuelles Erlebnis, sondern zugleich Mahnung und Denkanstoß – ein künstlerisches Statement, das zum bewussteren Umgang mit unserer Umwelt aufruft.
Danube Sharks Arrive in Donaueschingen!
A special art project is connecting the twin towns of Donaueschingen and Vác along the Danube this summer. Hungarian artist Mihály Kolodko is bringing his extraordinary “Danube Sharks” to Donaueschingen for the first time – at the very source of the Danube.
The sculptures are cast in concrete and contain waste collected by the artist along the Danube River. Through the sharks, Kolodko draws attention to the pollution of the river. The shark, a creature that does not naturally belong in the Danube, becomes a symbol of everything else that does not belong there either.
The presence of the sharks at the Danube’s source in Donaueschingen carries a special significance. It is here that the Danube begins its journey through ten countries to the Black Sea, connecting Donaueschingen with its Hungarian twin town, Vác.
The exhibition creates an artistic bridge along the river while reminding visitors of the importance of protecting this shared European natural environment. Visitors are invited to discover these unusual sculptures and reflect on the journey of the Danube—and on our responsibility to care for it.
About Mihály Kolodko and His Danube Sharks
Sculptor Mihály Kolodko has developed a distinctive artistic signature. He first gained recognition for his small, often humorous bronze sculptures, which subtly and unexpectedly blend into public spaces. In deliberate contrast to monumental sculpture, Kolodko creates works that encourage intimate encounters and invite viewers to look more closely.
Born in Uzhhorod in 1978, the artist initially received a classical education in the visual arts. Over the course of his career, however, he moved away from large-scale forms and developed a unique visual language that combines humour, history, literature, and popular culture. His works engage in a playful yet profound dialogue with urban spaces and the people who inhabit them.
Since 2016, Kolodko has lived with his family in the Hungarian Danube town of Vác. The town’s unique location on the river and the close relationship between nature, urban life, and industry opened up new artistic perspectives for him. It was there that his current project, Danube Shark, was conceived—a significant turning point in his artistic practice.
The installation is based on waste recovered from the Danube. The artist transforms these traces of human activity into a powerful symbol: a shark. The predator appears as an alien and threatening presence within the river’s natural habitat, much like the pollution itself, which drifts through the water or accumulates along the banks.
The work is closely connected to Vác, where Kolodko lives and works. The city’s industrial character—including one of Hungary’s largest cement factories—intensifies the dialogue between nature and human intervention. From this context emerged the idea of not only removing pollution but also making it visible through art and encouraging public reflection.
The next presentation of the Danube Shark takes place in a location of particular symbolic significance: the city where the Danube begins. In doing so, the installation expands beyond its local context to address the broader European space that the Danube unites. The river not only represents cultural exchange and geographical connections between nations but also reminds us that environmental challenges do not stop at borders.
With the Danube Shark, Mihály Kolodko reveals a new facet of his artistic work. Alongside the subtle irony that characterizes his earlier sculptures, a more direct, urgent, and socially engaged form of expression emerges. The installation is not only a visual experience but also a warning and a call to reflection—an artistic statement that encourages a more conscious and responsible relationship with our environment.