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kunst und kultur zu hause

Folge 5
Werbetafel eines findigen Bäckers


Am 3. Mai 1770 fand in Donaueschingen ein außergewöhnliches Ereignis statt. Prinzessin Maria Antonia hielt sich eine Nacht im fürstlichen Schloss auf. Sie war auf der „Brautfahrt“ von Wien nach Paris, wo sie mit dem französischen Thronfolger vermählt werden sollte und als Marie Antoinette in die Geschichte einging.

So wurde der Hofbäcker Fidelis Schmider beauftragt, aus weißestem Mehl Gebäcke für die Frühstückstafel herzustellen. Da seine Backwaren seiner Majestät und ihres Hofstaates gemundet hatten und er ein cleverer Geschäftsmann war, nutzte er die Gelegenheit, für seine Backkunst zu werben. Er ließ eine Werbetafel aus Sandstein anfertigen, die heute noch zeigt, was er damals der Herrschaft kredenzte. Darauf sind drei legendäre und zum Anlass passende Gebäcksorten abgebildet.

Ein Zopf, ein Luxusgebäck aus Weißmehl, das damals ein Festgebäck der Reichen war, fällt besonders ins Auge. Er wird als Symbol der Liebe betrachtet, weil er aus zwei Teigsträngen zu einer Einheit geflochten wird. Auf der Baar fehlt es bis heute auf keiner Hochzeitskaffeetafel und bei keinem Totenmahl.

Des Weiteren ist eine Kaisersemmel zu sehen, die mit ihren fünf bogenartigen Einkerbungen von oben betrachtet eine Krone symbolisiert. Das Wort Semmel kommt von simila (lat.), was feinstes Weizenmehl bedeutet.

Das typische Wiener Kipferl durfte nicht fehlen. Einer Anekdote nach wollten sich die Türken, die 1698 Wien belagerten, mithilfe eines Tunnels in die Kaiserstadt vorarbeiten. Ein Bäcker hörte eines Nachts unter seinem Haus ein Schaufeln, Graben und Scharren und schlug Alarm. Als Dank für seine Wachsamkeit erhielt er die Lizenz, ein Gebäck in Form des türkischen Halbmondes zu backen. In Frankreich erhielt das Kipferl den Namen Croissant (=Halbmond).

Werbetafel eines findigen Bäckers; Bild: M. Simon
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