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kunst und kultur zu hause

Folge 6
Ungarnkreuz Schlosspark


Ungarnkreuz erinnert an besondere Ereignisse

Wer auf der linken Brigachseite in Richtung Reiterstadion unterwegs ist stößt kurz nach der Fußgängerbrücke zum Parkrestaurant auf das Ungarnkreuz. Was es mit diesem Kleindenkmal auf sich hat, ist auf den beiden Informationstafeln mit deutschem und ungarischem Text nachzulesen. Danach hat dieses der Großvater des heutigen Fürsten, Prinz Max zu Fürstenberg, 1956 aufstellen lassen. Angeregt dazu wurde dieser vom Ungarn Ferenc von Rónay. Dieser stammte aus Zombor, einer kleinen Ortschaft nahe der ungarischen Grenze in der heutigen Slowakei, dem früheren Nordungarn. Das Reliefbild einer Glocke, die mit dem so genannten Patriarchen-Kreuz geschmückt ist, befindet sich am Kreuzungspunkt von Längs- und Querbalken des Kreuzes. Das Doppelkreuz auf der Glocke hat der erste christliche König Ungarns, Stephan der Heilige, im Jahr 1000 in sein Königswappen aufgenommen. Es war Sinnbild der apostolischen Würde des ungarischen Königs. Auf dem Ungarnkreuz ist das Glockensymbol ein Hinweis darauf, dass auch heute noch um 12.00 Uhr zur Mittagszeit die Kirchenglocken läuten. Dieses Zwölf-Uhr-Läuten wurde von Papst Calixtus III. am 29. Juni 1456 aus Anlass der Eroberung von Morea (damals zur Republik Venedig gehörende Halbinsel Peloponnes im Süden von Griechenland) durch den türkischen Sultan Mehmet II. und zur Erinnerung an die Bedrohung des Habsburgerreichs angeordnet. Bei diesem Läuten musste ursprünglich jeder Christ seine jeweilige Tätigkeit unterbrechen und kniend drei Vater Unser und drei Ave Maria beten. Dieses Mittagsläuten wurde auch Angstläuten oder Türkenläuten genannt. Daran und an die Schlacht von Nándorfehérvár (Belgrad) vom 22. Juli 1456 sollte ursprünglich das Ungarnkreuz im Park erinnern. In dieser Schlacht haben ungarische Truppen unter Führung von Janós Hunyadi das osmanische Heer geschlagen und damit das christliche Abendland vor islamischer Herrschaft bewahrt. Heute beinhaltet die Erinnerung zwei weitere historisch bedeutsame Ereignisse: den Volksaufstand in Ungarn, der am 23. Oktober 1956 begann und von der damaligen sowjetischen Besatzungsmacht blutig niedergeschlagen wurde sowie die Durchtrennung des so genannten Eisernen Vorhanges durch die Ungarn im August 1989. Dieses Ereignis ermöglichte vielen Deutschen aus der ehemaligen DDR die Ausreise in den Westen und führte schließlich auch zur Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands und in deren Folge auch zur Städtepartnerschaft zwischen Donaueschingen und dem ungarischen Vác.

(Ernst Zimmermann)


Drei Mal schon wurde das Ungarnkreuz renoviert: 1983 von der F.F. Füsilier-Garde, 2001 vom Freundeskreis Vác und der Stadt und 2016 erneut von Mitgliedern der heutigen Deutsch-Ungarischen Gesellschaft.
Renovierung Kreuzbalken, Bild: Ernst Zimmermann

Jürgen Wolf und Ernst Engesser beim Abschleifen der Kreuzbalken bei der Renovierung 2016
Ungarnkreuz, Bild: Ernst Zimmermann








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