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kunst und kultur zu hause

Folge 7
Andreas Willmann Denkmal


Andreas-Willmann-Platz auf den Rübäckern

Hand aufs Herz: Wer kennt in Donaueschingen den Andreas-Willmann-Platz? Wer diese Frage mit nein beantwortet, hat vermutlich auch keine Ahnung, wo sich die Rübäcker befinden. Beides ist aber leicht zu merken: Die genannten Orte sind identisch. Gegen die Vergesslichkeit gibt es seit ein paar Jahren sogar eine Eselsbrücke: das Andreas-Willmann-Denkmal. Dessen Standort befindet sich hinter dem Bahnhof am südlichen Ausgang der Bahnunterführung, also dort wo sich heute Parkplätze für die Bahnreisenden befinden. Der Begriff Rübäcker erklärt sich eigentlich von selbst: Futterrüben für die Schweine und das Vieh wurden früher dort angebaut, weil es die Eisenbahn noch nicht gab und Parkplätze in der Vorautomobil-Ära noch auch nicht gebraucht wurden. In der heißen Phase der Badischen Revolution von 1848/49 waren die Rübäcker auf dem heutigen Bahnhofgelände zentraler Versammlungsort der Baaremer Revolutionäre. In Anlehnung an die Mannheimer Versammlung Ende Februar 1848 und den dort geäußerten Forderungen nach einem deutschen Nationalparlament, Pressefreiheit und Volksbewaffnung kam es am 8. März 1848 auch zu einer Volksversammlung in Donaueschingen, bei der sich mehrere tausend revolutionär gestimmte Menschen auf den Rübäckern trafen und dort ebenfalls radikale Forderung an den Badischen Großherzog formulierten. Es ist anzunehmen, dass bei dieser Volksversammlung auch Andreas Willmann mit dabei gewesen war, war der studierte Sohn des Pfohrener Ochsenwirts doch einer der radikalsten Verfechter der revolutionären Ideen und gewissermaßen die rechte Hand des Oberrevolutionärs Friedrich Hecker. So war er beim sogenannten Heckerzug und auch bei dessen unglücklichen Ausgang beim Gefecht bei Kandern an Heckers Seite. 1849 machte Andreas Willmann dann richtig Karriere: Er wurde Kriegs- und Zivilkommissär für den See- und Oberrheinkreis und brachte es sogar zum Mitglied des regierenden Landesausschusses in Karlsruhe. Nach dem Scheitern der Revolution wanderte er in die USA aus. In New York bekleidete er hohe Regierungsämter engagierte sich im Amerikanischen Bürgerkrieg für die Sklavenbefreiung, mischte als Mitglieder der Republikanischen Partei in vier Präsidentschaftswahlkämpfen kräftig mit und gehörte auch zu den Gründern der Stadtsparkasse New York. In Baden war Andreas Willmann wegen seiner revolutionären Umtriebe vom Großherzoglichen Hofgericht Bruchsaal in Abwesenheit zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt worden. Wegen seiner Flucht in die USA konnte das Urteil allerdings nicht vollstreckt werden. Nach seinem Tod 1878 widmete die New York Times ihm einen Nachruf, in dem Willmann als einer der bekanntesten deutschstämmigen Bürger der USA bezeichnet wurde. Erst mehr als 150 Jahre nach der Revolution wurde der mutige und engagierte Einsatz von Andreas Willmann für die Freiheitsrechte auch im Badischen gewürdigt. Die Stadt Donaueschingen ehrte den berühmten Pfohrener mit der Benennung eines Platzes und zwei Denkmälern: auf dem Andreas-Willmann-Platz in Donaueschingen und vor dem Rathaus in Pfohren.

(Ernst Zimmermann)


Andreas-Willmann-Denkmal, Bild: Ernst Zimmerman Andreas-Willmann-Denkmal, Bild: Ernst Zimmermann
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